Seit mehreren Jahren veranstaltet die Johanniter-Akademie-Mitteldeutschland die Taktische Woche. Dies ist eine Ausbildungswoche für angehende Notfallsanitäterinnen und Notfallsanitäter zum Thema Massenanfall von Verletzten (MANV) und lebendbedrohliche Einsatzlagen (lebEL). Dieses Jahr durfte der THW-Ortsverband Leipzig zum ersten Mal die Taktische Woche unterstützen.
Vom 08.09.2025 bis 09.09.2025 fand eine Stationsausbildung statt. An sieben Stationen lernten die angehenden Notfallsanitäterinnen und Notfallsanitäter viele Aspekte zum Thema MANV und lebEL kennen. Darunter waren die Schwerpunkte: Taktische Verwundetenversorgung, Technische Rettung aus Fahrzeugen, Übungen an der Planspielplatte, Zusammenarbeit mit anderen Hilfsorganisationen, Verhalten bei Angriffen und Rettung aus einer akuten Gefahrenzone. Dabei übernahm das THW den Themenschwerpunkt Rettung aus einer akuten Gefahrenzone. An dieser Station lernten die Auszubildenden mehrere Tragetechniken kennen, um eine verletzte Person schnell und sicher aus einem Gefahrenbereich zu evakuieren. Ebenfalls wurde die Personenrettung unter erschwerten Bedingungen geübt. Hierbei mussten die Auszubildenden eine verletzte Person aus einem Bunker retten, wobei nur begrenzt Licht und Platz zur Verfügung stand.
Am 10.09.2025 fand die erste von zwei Großübungen für die Auszubildenden statt. Während einer privaten Feierlichkeit in einem Bunker detonierte darin versehentlich eine Kugelbombe. Dies führte zum Teileinsturz einer Decke, Rauch breitete sich aus und es gab zahlreiche Verletzte. Gemeinsam mit der Freiwilligen Feuerwehr Pegau, dem Ausbildungs-Hilfeleistungslöschgruppenfahrzeug (Azubi-HLF) der Berufsfeuerwehr Leipzig und den Auszubildenden Notfallsanitätern mit ihren Rettungsmitteln wurde die Einsatzlage abgearbeitet. Das THW nahm mit einer Bergungsgruppe an der Einsatzübung teil. Die Aufgaben bestanden darin die Menschenrettung durchzuführen, den Brandschutz sicherzustellen, das Gebäude abzustützen und den Rettungsdienst bei der Versorgung zu unterstützen. Insgesamt wurden 50 Personen gerettet und zur weiteren Versorgung durch den Rettungsdienst behandelt.
Am 11.09.2025 fand die zweite Großübung statt. In diesem Szenario erlitt ein PKW-Fahrer einen Herzinfarkt und raste anschließend über 70 Meter durch eine Fußgängerzone, bis er schließlich an einem geparkten PKW zum Stehen kam. Dadurch wurden ungefähr 50 Passanten in der Fußgängerzone verletzt. Die ersten Rettungsmittel, die an der Einsatzstelle eintrafen, bestanden aus einem Einsatzleitwagen der Feuerwehr Regis-Breitingen, dem Azubi-HLF der Berufsfeuerwehr Leipzig, einem GKW der Bergungsgruppe und zwei Rettungstransportwagen. Die Lage musste zügig erfasst und weitere Kräfte zeitnah nachgefordert werden. Die Aufgaben bestanden darin den Rettungsdienst bei der Versorgung zu unterstützen, gemeinsam mit der Feuerwehr die Technische Rettung zu übernehmen und bei der Transportorganisation zu unterstützen. Nach drei Stunden konnte die Einsatzübung erfolgreich beendet werden.
Das Fazit aus der Taktischen Woche war sehr positiv. Man konnte viele Eindrücke aus der Arbeit der anderen Hilfsorganisationen gewinnen. Es wurden neue Kontakte geknüpft, um die Zusammenarbeit in Zukunft auszubauen und zu verbessern. Die angehenden Notfallsanitäterinnen und Notfallsanitäter konnten unter fast realen Bedingungen auf diese schweren und komplizierten Einsatzlagen vorbereitet werden und können diese Erfahrungen in ihren weiteren Berufsweg mit aufnehmen.
Wir bedanken uns für die Einladung bei der Johanniter-Akademie-Mitteldeutschland und freuen uns in Zukunft die Taktische Woche auch weiterhin unterstützen zu können.